Nanna Tappe




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Ausstellungen:


Im Augenblick sind keine
Ausstellungen geplant, aber es
können jederzeit Malerei, Zeichnungen, Druckgrafik und Teppiche bei der Künstlerin
besichtigt werden.

     

 

Es ist wohl doch nicht so, daß Nanna Tappe von der Begegnung mit Bildern alter südamerikanischer Kultur zu künstlerischer Tätigkeit angeregt wurde. Vielmehr wiesen vermutlich die ihr in die Wiege gelegten Formvorstellungen von Anfang an in jene Richtung, wo einst Gottheiten mexikanischer und mittelamerikanischer Völker einen eigenen Kanon der Figuren, eigene Fügung der Linien und Farben hervorriefen.

Als die junge Künstlerin, 1943 in Braunschweig geboren und hier in den sechziger Jahren an der Kunsthochschule ausgebildet, sich auf den Weg machte, die ihr gemäße Bildsprache zu finden, war es fast, als folge sie einem inneren Kompaß. Nicht das Land der Griechen, sondern das der Azteken und Tolteken mit der Seele suchend, entschloß sie sich zu Gestalten aus einer fernen Lebenszone, die sie nicht anders als im Traum erlebt hatte. Ihr erster Lehrer Bruno Skibbe war, wie er freimütig bekannte, verblüfft über die Sicherheit, mit der seine damals noch nicht zwanzigjährige Schülerin fremdartige Gebilde erschuf, archaische Ornamente, kultische Signaturen mit einer Selbstverständlichkeit in ihr exotisch-dekoratives Szenarium einarbeitend, als gäbe es keine andere Wahl.

Blickt man nun zurück auf die seit dem Beginn ihres Schaffens vergangenen zwei Jahrzehnte, so fällt auf, daß Nanna Tappe in Schüben produziert. Als sie daranging, die Erscheinung Quetzalcoatls zu deuten, als Mond- und Morgensterngott, als Windgott mit Vogelmaske, als Verkörperung des nächtlichen Himmelsozeans und des irdischen Weltmeeres mit wechselnden Emblemen, da tat sich vor ihr ein weites Feld uralter Rituale auf. ln den Radierungen der frühen Schaffensperiode findet man dafür Beispiele genug. Da dient verschlungenes Linienspiel, mit gereihten grafischen Mustern übersäte Flächenkombination als Ausdruck nicht völlig ausdeutbarer Überlieferung. Was modellartig nachgebildet zu sein scheint, erweist sich als originärer Beitrag einer Grafikerin, die Montezuma, den Herrscher aus Tenochtitlan, durchaus nach ihrem Willen dem indianischen Hohepriester entgegenschreiten läßt.

ln der Malerei setzt sich die Beschäftigung mit den wunderlichen Unbekannten fort, wird indessen nach und nach zeichenhafter, ungegenständlicher, wenn man so will. Von "Totem Wampun" (1965) mit dem geometrisch bestimmten Aufbau von Kreis- und Rhombus, spannungsvoll ineinander gepaßter Segmente, bis zur "Botschaft der Maya" (1972) oder der "Olympischen Botschaft" aus demselben Jahr führt die Entwicklung zu vereinfachter Symbolik zur Betonung der Kontraste, bleibt aber dennoch im Bereich der ursprünglichen Motivation. Das ist wohl der Grund, warum man auch ein Gemälde spontan als Nanna Tappes Arbeit identifizieren kann.

Freilich arbeitet die Malerin langsam, und so sind gleichsam Jahresringe des schon vertrauten Themas zu erkennen. Sie hat zuweilen Kompositionen für Bildteppiche kunstgewerblich verwendet, und zwar mit beträchtlichem Erfolg.Im allgemeinen indessen läßt sie sich viel Zeit.

Ode an die Uhr Ode an eine Uhr olympische Botschaft

Es kann aber doch geschehen, daß sie ein Impuls zu neuem Hervorbringen verleitet, das wieder schubweise einsetzt. So geschah es jüngst durch das Anhören von vertonten Gedichten des Chilenen Pablo Neruda, u. a. waren es die "Ode an eine Uhr in der Nacht" und die "Ode an den Duft des Holzes", beide von Dieter Salbert in Musik gesetzt. Die Kompositionen trafen offensichtlich auf eine Bereitschaft, zu formen, zu experimentieren, in einen lichteren Kreis der Farben vorzustoßen . Das Resultat ist eine Reihe von Bildern, deren innere Verfassung zum Anruf drängt, zur Abstraktion in Blau, zu einer gleichsam heiteren Dokumentation des Daseins, ohne sich an das in Text und Tönen vorgegebene Motiv zu binden. Und wiederum fällt die Sicherheit auf, mit der farbige Akzente gesetzt, mit der freie formale Improvisationen gewagt werden. Daß ein solches Ereignis unangekündigt, sozusagen über Nacht provoziert eintreten kann, läßt darauf schließen , daß Nanna Tappe längst noch nicht am Ende ihrer Metamorphosen angelangt ist. Wie sollte sie auch, denn das Gesetz, nach dem sie angetreten, ermöglicht Ausweitungen, Bereicherungen, eine Vielzahl von Variationen, vor allem manche inneren Verwandlungen und im Glücksfall schließlich eine letzte wesentlich konzentrierte Facon.

Nanna Tappe liebt die Verkürzung, die geraffte Darstellung ohnedies. Niemals weitschweifig, gerinnt ihr zur knappen Form, was sie anfaßt. Sie könnte sich gar nicht sprunghaft wechselnden Maßstäben anpassen, weil sie einem Stern folgt, dessen Spur nur ihr sichtbar ist. Der Zauber verschwindet darum niemals ganz aus ihren Bildern, ein aufgeschlossener Sinn dafür gehört zur Natur der Künstlerin , deren Werk sich in der Stille auf die ihr eingeborene versonnene Art runden wird.

von Heinrich Mersmann 1982

  Engel
Engel
Engel
Ikarus
der blaue Friedensvogel
guachera
Sinnbild